Die Berliner »Friedenssäule« als Denkmal für die Befreiungskriege

Berlin Friedenssaeule

Enthüllung der Friedenssäule auf dem Belle-Alliance-Platz in Berlin am 3. August 1843

Im Verlauf des neunzehnten Jahrhunderts wurden in Berlin drei monumentale Säulen errichtet, die als preußische oder nationale Gedenkstätten »Frieden«, »Heldenopfer« und »Sieg« in der Erinnerung der Bevölkerung lebendig halten sollten: die Friedenssäule, die Invalidensäule und die Siegessäule. Das als erstes errichtete der drei Säulenmonumente war die Friedenssäule, die als Denkmal für die Befreiungskriege angesehen werden kann.

Ursprünge des Säulenmonuments

Das Memorialdenkmal in der besonderen Form des Säulenmonuments hat seinen Ursprung in der griechisch-antiken Götter- und Weihegeschenksäule aus der es sich im Altertum allmählich zum politischen Sieges- und privaten Ruhmesdenkmal entwickelte. [1] Literarisch überliefert sind die Nikesäulen, wie sie in klassischer Zeit in Olympia und Delphi errichtet wurden. Sie sind die Grundlage für die späteren auf öffentlichen Plätzen aufgestellten Ehrenmale, die die großen offiziellen Denkmäler der römischen Antike waren. Im Bildungsbeflissenen neunzehnten Jahrhundert erreichte das Säulenmonument wieder allgemeine Verbreitung, zunächst als Antikenzitat, dann als National-, Krieger-, Sieges-, Friedens-, Schlachten- oder Heldendenkmal. [2]

Standort und Bauzeit der Friedenssäule im Kontext der Befreiungskriege

Noch im Auftrag Friedrich Wilhelm III. wurde 1840 auf dem Belle-Alliance-Platz der Grundstein zur Friedenssäule gelegt. Der Belle-Alliance-Platz ist einer der drei geometrischen Plätze, die im Zuge der westlichen Erweiterung der Friedrichstadt und der Dorotheenstadt unter Friedrich Wilhelm I. (1730-1740) entstanden: rund das »Rondell«, später Belle-Alliance-Platz (heute Mehringplatz), achteckig das »Octogon«, heute Leipziger Platz und quadratisch das »Quarré«, der heutige Pariser Platz. (s. Abbildung)

Historischer Atlas Berlin 1740 mit Friedrichstadt und Dorotheenstadt

Historische Karte Berlin 1740. Rosa (E) = Dorotheenstadt, Grün (F) = Friedrichstadt (Quelle: Johann Marius Friedrich Schmidt: Historischer Atlas von Berlin in VI Grundrissen nach gleichem Maasßtabe von 1415 bis 1800. Schropp, Berlin 1835, S. 5.)

Alle drei Plätze erhielten ihre an die Befreiungskriege erinnernden Namen im Jahre 1815 nach dem Sieg über Napoleon in der Schlacht bei Waterloo. Belle-Alliance erinnerte an die Schlacht bei Waterloo, die in der preußischen Geschichtsschreibung auch Schlacht bei Belle-Alliance genannt wurde, da sich in einem gleichnamigen Gasthaus Napoleons Hauptquartier befunden hatte. Mit der Namensgebung Leipziger Platz wurde an die Völkerschlacht bei Leipzig gedacht und mit dem Pariser Platz an den Eroberung von Paris durch preußiche Truppen 1814. [3] Auch die Friedensäule war ein Denkmal für die Befreiungskriege. Darauf lässt der Standort schließen und es geht aus dem zeitlichen Zusammenhang zwischen Grundsteinlegung und Einweihung der Friedensäule zu den Befreiungskriegen hervor. Im Jahr der Grundsteinlegung 1840 konnte Preußen auf eine 25 Jahre währende Periode des Friedens nach den Befreiungskriegen zurückschauen. Der Tag der feierlichen Einweihung, der 3. August 1843, war der 20. Jahrestag der Schlacht bei Großbeeren, in der eine erneute Besetzung Berlins durch französische Truppen verhindert worden war.

Ikonographie der Friedenssäule im Kontext der Befreiungskriege

Entwurf, Planung und Ausführung des Monuments übernahm Baurat Christian Gottlieb Cantian. [4] Der rund sieben Meter hohe Schaft der korinthischen Säule ist aus dunklem geschliffenem Granit, Basis und Kapitell bestehen aus weißem cararischen Marmor. Bekrönt wird die Säule Cantians von einer monumentalen Viktoria von Christian Daniel Rauch, die über adlerverzierten Kaptitell mit Friedenspalme und vorgestrecktem Kranz der Stadt entgegenzuschweben scheint. Wie die Victoria der Quadriga auf dem Brandenburger Tor - das ursprünglich als Friedenstor erdacht war - die frohe Botschaft des Sieges und dem diesen folgenden Frieden überbringend in die Stadt hineinfährt [5], schwebt auch die Siegesgöttin des Säulenmonuments in die Stadt hinein, mit den Attributen von Sieg (Lorbeerkranz) und Frieden (Palmenblatt) ausgezeichnet. In dieser Art der Darstellung versinnbildlicht die Viktoria der Friedenssäule den Frieden als natürlich Folge des Sieges bzw. als natürliche Folge der militärischen Überlegenheit und Politik Preußens und damit der Hohenzollern-Herrschaft, deren Glorifizierung gerade im Zusammenhang mit dem Gedenken an die Befreiungkriege eine wesentliche Bestimmung des Säulenmonuments gewesen ist. Das Adlerkapitell als Versinnbildlichung Preußens bildet also das Fundament für Sieg und Frieden und dem damit verbundenen Wohlstand personifiziert durch die Viktoria. Nicht der siegreiche Heerführer (Friedrich Wilhelm III.) wird als Person geehrt, wie es bei antiken Säulenmonumenten üblich war. Er überläßt seinen Platz, den »loco imperatoris«, der Viktoria und damit der Ehrung der preußischen Staatsidee im Allgemeinen und die diese tragende Dynastie der Hohenzollern.

Anmerkungen

[1] Werner Haftmann, Das italienische Säulenmonument, Berlin 1939 (Nachdruck 1974), S. 10-15.
[2] Jutta von Simson, Die Berliner Säulenmonumente, in: Willmuth Arenhövel (Hg.), Berlin und die Antike. Architektur, Kunstgewerbe, Malerei, Skulptur, Theater und Wissenschaft vom 16. Jahrhundert bis heute, Berlin 1979, S. 204.
[3] Laurenz Demps: Berlin-Wilhelmstraße. Eine Topographie preußisch-deutscher Macht, Berlin 2010, S. 23–28.
[4] Simson, S. 205.
[5] Norbert König, Die symbolische Bedeutung des Brandenburger Tores, in: Stiftung Denkmalschutz Berlin (Hg.), Das Brandenburger Tor. Weg in die Geschichte - Tor in die Zukunft, Berlin 2003, S. 116.