Rieke stand Modell für Nike

Quadriga von Johann Gottfried Schadow

Quadriga von Johann Gottfried Schadow (© Florian Müller-Klug / CC-BY-SA 3.0)

Die wohl bekannteste Skulptur Berlins ist die Quadriga des Bildhauers Gottfried Schadow auf dem Brandenburger Tor. Nur wenigen wird wiederum bekannt sein, dass für die, den von vier Rössern gezogenen zweirädrigen Siegeswagen in die Stadt lenkende Siegesgöttin Nike, eine junge Berlinerin Modell stand. Die Tochter des Kupferschmiedes Samuel Heinrich Jury: Rieke.

Schadow hatte für die Figur nur eine Skizze entworfen, nach der dann in Potsdam ein Holzmodell angefertigt werden musste, um welches endlich im letzten Arbeitsschritt das Kupferblech getrieben werden sollte. Für die Anfertigung des Holzmodells nahm der Potsdamer Kupferschmied Emanuel Jury seine in Berlin lebende Cousine Rieke als Modell. Riekes Vater Samuel Heinrich Jury betrieb am Hausvogteiplatz ebenfalls eine Schmiedewerkstatt. Da die Zahl der Lehrlinge und Gesellen zur Entstehungszeit des Brandenburger Tores Ende des 19. Jahrhunderts durch Gesetz begrenzt war, mussten ihm seine 12 Töchter tüchtig in der Werkstatt helfen. Eine Verwandte der Jurys berichtete über den »pittoresken Anblick, wie die anmutigen Töchterscharen sich im Flammenschein herumtummelten, bald den mächtigen Blasebalg regierten, bald den Hammer hoben und auf dem Amboss die glühenden Eisen bearbeiteten, die schönen Arme hoch aufgeschürzt«. [1]

Die durch die harte Arbeit in der Schmiede kräftige junonische Gestalt der Rieke Jury war wie kaum eine andere geeignet, Modell für die Siegesgöttin Nike zu stehen. Mit der Quadriga wurde Rieke Jury in aller Welt berühmt, wenn auch nicht als Person bekannt. Das ihre Persönlichkeit sich durch die Verschmelzung ihres Abbildes mit der griechischen Göttin verändert hat muss Vermutung bleiben.

Anmerkungen

[1] Winfried Löschburg, Unter den Linden. Gesichter und Geschichten einer Straße, Berlin (Ost) 1976, S. 71-73.

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