Der »Führerbunker« - Daten & Fakten

Führerbunker von Leonhard Gall von 1944, Ansicht auf die Oberirdischen Aufbauten 1947

Der sogenannte »Führerbunker« im Garten der im II. Weltkrieg zerstörten Reichskanzlei 1947. Links der Ausgang zum Garten des Reichskanzlerpalais, in der Mitte der Belüftungsturm. (© Bundesarchiv, Bild 183-V04744 / CC-BY-SA 3.0)

Quellenlage

Vom sogenannten »Führerbunker« [im Weiteren wird auf Anführungsstriche verzichtet] gibt es keine überlieferten Baupläne - vermutlich haben nie welche existiert. Alle Kenntnisse, die es über den Bunker gibt, stammen aus folgenden Quellen:

Akten aus der Entstehungszeit der Anlage Zeitzeugenberichte überlebender Bunkerinsassen - die oftmals stark voneinander abweichen
Berichte alliierter »Bunkertouristen« aus der direkten Nachkriegszeit
Untersuchungen des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit aus den 70er Jahren
private Aufzeichnungen aus der Zeit des Abbruchs

Zeitleiste

Anfang 1935
Auftrag durch Adolf Hitler an das Atelier von Paul Ludwig Troost [geleitet nach dem Tode von Troost 1934 vom Architekten Leonhard Gall] in München zum Bau eines Festsaals für die Reichskanzlerpalais [Alte Reichskanzlei] mit eigenem Luftschutzkeller [nach Bau des Hauptbunkers ist dies der Vorbunker]. [J 44]
29.07.1935
Baupolizeiliche Genehmigung der Entwürfe für den Festsaal mit Luftschutzkeller der neuen Reichskanzlei. Direkt danach Baubeginn. [K 46]
Januar 1936
Fertigstellung des Festsaals mit Luftschutzkeller. [J 44]
18.01.1943
Führerbefehl zum Bau des Hauptbunkers im Führerhauptquartier Wolfsschanze an Albert Speer [K 55]
April 1944
Baubeginn mit Aushubarbeiten [J 72]
16.01.1945
Ankunft Hitlers in Berlin [IK 994]
03.02.1945
Beim schwersten Luftangriff auf Berlin werden auch Hitlers Wohnräume in der Alten Reichskanzlei zerstört. Hitler zieht nach Kershaw daraufhin in den Führerbunker. [IK 1002f] Kellerhoff gibt den Zeitpunkt des Umzugs zwischen Ende Februar bis Anfang März 1945 an. [K 71] Seidler / Zeigert spricht von Mitte Februar. [S/Z 324]
22.04.1945
Joseph Goebbels zieht mit seiner Familie von seiner Dienstvilla in den Bunker. [R 648]
30.04.1945
Selbstmord Hitler [Art der Tötung ist nicht mehr vollständig zu klären]. Vermutlich kombinierter Selbstmord durch Zyankali und Kopfschuss von eigener Hand. [V 189]
01.05.1945
Tötung ihrer sechs Kinder mit Zyankali vermutlich durch Magda Goebbels selbst anschließend Selbstmord von Magda und Joseph Goebbels vermutlich durch Zyankali. [R 663f]
11.12.1947
Sprengversuch durch die Rote Armee - oberirdische Aufbauten (Notausgang und Entlüftungstürme) bleiben als Ruinen zurück und Innenwände werden beschädigt. [K 106]
18.06.1959
Sprengversuch von der DDR-Regierung veranlaßt - ohne große Erfolge. Danach werden die oberirdischen Ruinen durch einen Erdhügel verdeckt. [K 107]
1972 bis 1974
Umfangreiche Untersuchungen des Areals um den Führerbunker und des Bunkers selbst durch die Staatssicherheit. [K 110ff]
17.Januar 1984
Beschluss des SED-Politbüros zur Bebauung des Gebietes um den Führerbunker durch standardisierte Wohnhäuser in Plattenbauweise. [K 119]
Anfang 1988
Beginn der Tiefenenttrümmerung der Bunkerreste - Vorbunker wird komplett beseitigt, Deckenplatte des Hauptbunkers wird beseitigt und Teile der noch bestehenden Außenmauern. Übrig blieb bis heute die Bodenplatte, sowie die Außenmauern in der hälfte ihrer ursprünglichen Höhe. [K 120ff]

Daten

Bunker

Vorbunker (Luftschutzkeller des Festsaals)

Hauptbunker (sog. Führerbunker)

Ort

Grundstück hinter dem Stammhaus des Auswärtigen Amtes in der Wilhelmstraße 76. Der Festsaal der Alten Reichskanzlei in der Wilhelmstraße 77 ragte größtenteils in das Grundstück 76 hinein. Die Bunkeranlage befand sich in ihrer kompletten Abmessung auf dem Grundstück 76. [W 234] 

Bezeichnung   B 207 [S/Z 324]

Bauzeit

August 1935 bis Januar 1936 [K 64, J 44]

April 1944 bis zur Einstellung der Bauarbeiten aufgrund der Kämpfe in Berlin (der Bunker war in seinen oberirdischen Zusatzbauten nicht ganz fertiggestellt worden [S/Z 324])

Architekt (Bauleitung)

Leonhard Gall [J 47] 

Architekt Carl Piepenburg [K 55]

Bauunternehmen

 

ARGE Hochtief A.G. [K 56] swoie Philipp Holzmann AG [J 72]

Gesamtkosten

250.000 RM [K 48]

1.349.899,29 RM [K 61]

Sohltiefe

6,4m [SD 29]

8,50m [K 58]; 8m [S/Z 324]

Innemaße

15,5 x 18,5m [K 46]

15,6 x 20m [K 58]; 19,5 x 18,8m [S/Z 324]

Deckenhöhe

3,05m [A]

3,05m [K 59]; 2,85m [J 72]; 3,1m [A]

Wandstärke Innenwände

0,4m - 0,5m [K 58]

0,5m [K 58]

Wandstärke Außenwände

1,2m [K 46, J 44]; 1,6m [A ]

4m [K 58]; 3,6m [J 66]; 3,5m [A]; 3,6m [S/Z 324]

Stärke Bodenplatte

2,5m [K 58]

2,5m [K 58]; 2m [J 72]

Stärke Deckenplatte

1,6m [K 59]; ab 1944 2,6m [J 47]; ca 2m [A]

3,8m Stahlbeton + 0,2m Stahlträger an der Deckenunterkante [K59]; 4,5m [A]; 3,5 m Eisenbeton + Stahlträger an der Deckenunterkante [J 72]; 3,5 m [S/Z 324]

Inneneinrichtung

 

• Bodenbelag: helle Steingutfliesen [K 62]

• Wandbelag: roher Beton, graue Farbe auf Beton; Ein- und Ausgang zum Garten weiße Fliesen; Treppentrakt zwischen Vor- und Hauptbunker  teilweise roter Marmor aus Restbeständen der Neuen Reichskanzlei [K 63]

Technische Ausstattung

Schleusenräume mit Gasdichten Stahltüren, Diesel-Generator-Aggregat 40KW [J 47f]; Luftfilter [A]

Schleusenräume mit Gasdichten Stahltüren, Diesel-Generator-Aggregat, Be- und Entlüftungsanlage mit Luftfiltern [J 47f]; Fernsprechvermittlung und Fernschreiber [S/Z 325]

Anzahl der Räume

 

 

 


Anmerkungen

Da es sich um einen fortlaufend weitergeschriebenen Artikel handelt, wird aus Praktikabilitätsgründen auf einen klassischen Anmerkungsapparat verzichtet. Im Artikel befinden sich Abkürzungen zu der Literatur mit Seitenzahlen. [SD 47] verweist so bspw. auf »Damm, Steffen (u.a.), Schauplatz Berlin. 1933. 1945. 1961. Heute. Eine historische Stadterkundung, Berlin 2005, S. 47«.

[SD] Steffen Damm (u.a.), Schauplatz Berlin. 1933. 1945. 1961. Heute. Eine historische Stadterkundung, Berlin 2005.
[D] Laurenz Demps, Berlin-Wilhelmstraße, Berlin 2010.
[A]
Dietmar Arnold / Nikolai Luckow, Rekonstruktion von Haupt- und Vorbunker. Abbildung auf der Informationstafel am Ort des Bunkers, Berlin 2006.
[J] Anton Joachimsthaler, Hitlers Ende. Legenden und Dokumente, Augsburg 1999.
[K] Sven Felix Kellerhoff, Mythos Führerbunker. Hitlers letzter Unterschlupf, Berlin 2008.
[IK] Ian Kershaw, Hitler. 1936-1954, Stuttgart 2000.
[R] Ralf Georg Reuth, Goebbels, München/Zürich 2012.
[S/Z] Franz W. Seidler / Dieter Zeigert, Die Führerhauptquartiere. Anlagen und Planungen im Zweiten Weltkrieg, München 2001.
[V] Ulrich Völklein, Hitlers Tod Die letzten Tage im Führerbunker, Göttingen 1998.
[W] Hans Wilderotter, Alltag der Macht. Berlin Wilhelmstraße, Berlin 1998.

Stadtführung Berlin im Nationalsozialismus und Drittes Reich