Der Architekt Hanns Hopp und der »Block G« der Stalinallee

Block G der Stalinallee / Karl-Marx-Allee von Hans Hopp

Ausschnitt Block G von Hans Hopp (© Florian Müller-Klug / CC-BY-SA 3.0)

Als letzter der so genannten »Stalinbauten« an der ehemaligen Stalinallee und heutigen Karl-Marx-Allee/Frankfurter Allee wird derzeit der »Block G« denkmalgerecht saniert. Ein guter Grund, die Geschichte und Architektur dieses Gebäudekomplexes zu würdigen.

Der von Hanns Hopp entworfene »Block G« bildet den östlichen Anfang des in den 1950er Jahren errichteten »Sozialistischen Prachtboulevards« Ost-Berlins, der Stalinallee. Diese »erste sozialistische Straße Deutschlands« ist der einzige große Boulevard, der nach dem Zweiten Weltkrieg in Europa entstand und heute eines der größten zusammenhängenden europäischen Baudenkmäler. Die Straße wurde am 21. Dezember 1949 anlässlich des 70. Geburtstag von Josef Stalin nach diesem benannt. Nach dem Tod Stalins am 5. März 1953 setzte in der Sowjetunion die Entstalinisierung ein - in der DDR allerdings mit erheblicher Verzögerung umgesetzt. Erst nachdem Stalin am 30. Oktober 1961 von der Sowjetführung aus dem Lenin-Mausoleum verbannt wurde, benannten einige Tage darauf auch die Machthaber der DDR die Stalinallee in Karl-Marx-Allee um. Heute befindet sich der »Block G« an der Frankfurter Allee.

Als Hopp Anfang der 1950er Jahre den wichtigen Staatsauftrag für die Errichtung dieses Gebäudekomplexes erhielt war er Leiter einer der drei Meisterwerkstätten an der neugegründeten Deutschen Bauakademie in Ost-Berlin. Er blickte zu diesem Zeitpunkt bereits auf eine erfolgreiche Karriere zurück. In der Weimarer Republik zählte er zu einem der wichtigsten Exponenten der modernen Architektur in Ostpreußen. Nach der nationalsozialistischen Machtergreifung wurde Hopp politisch diffamiert und angefeindet, konnte allerdings als freier Architekt durch den Bau von Ein- und Mehrfamilienhäusern weiter arbeiten.  

Die politischen Vorgaben von Seiten der DDR-Führung zwangen Hopp, wie auch die anderen am Aufbau der Stalinallee beteiligten Architekten, sich von der Moderne abzuwenden und dem staatlich verordneten Baustil unterzuordnen: einem dekorativen, regionalen Historismus. Dieser orientierte sich am Vorbild des »Sozialistischen Klassizismus« der Sowjetunion der Stalin-Zeit und an der so genannten »nationalen Bautradition«, so etwa am maßgeblich durch Karl-Friedrich Schinkel geprägten Berliner Klassizismus.

Der von Hopp entworfene »Block G« - heute die beidseitig der Frankfurter Allee befindlichen Gebäude Nr. 4-16 - stellt einen der Höhepunkte des dekorativen Historismus an der Allee dar. Sich an den Gliederungs- und Proportionsregeln klassizistischer Baukunst aber auch an barocker Palastarchitektur anlehnend, arbeitete Hans Hopp mit einem geradezu verschwenderischen Formenreichtum. Es finden sich Kolonnadenreihen, Balustraden, Säulengänge, Arkaden-Treppen, plastischer Figurenschmuck, Gesimse, Portiken und ornamentierte Fensterbrüstungen. Hopp schafft sogar eine kleine »Piazza« mit Normal-Uhr-Krönung, einer Säulenkolonnade und italienisch anmutenden, hölzernen Klapp-Fensterläden vor den reich gestalteten Fassaden. Auch die in Palast-Gärten obligatorischen Wasserfontänen dürfen hier auf den großzügigen Rasenflächen vor dem »Arbeiterpalast« nicht fehlen.

Bezeichnend für die Bauten der Stalinallee war die Verwendung hochwertiger Materialien, wie Sandstein und handgefertigter Keramikfliesen aus Meissen, mit denen alle Fassaden verkleidet wurden. Schließlich sollte die Stalinallee anfänglich unter Beweis stellen, dass im beschworenen kommenden »Goldenen Zeitalter des Sozialismus« die Arbeiter in Palästen wohnen werden. Gegenwärtig sind inzwischen alle Gebäude des Boulevards denkmalgerecht saniert  - oder stehen wie der »Block G« kurz vor der Fertigstellung - und können so von dem letztlich uneingelösten Selbstanspruch der frühen DDR-Zeit zeugen. Zwar waren die Mieten bis zum Ende der DDR 1989 auf eine Mark pro Quadratmeter festgeschrieben, allerdings wurde auch nur wenig in den Erhalt der Häuser investiert. So waren die einstiegen Vorzeigebauten am Ende der SED-Diktatur ähnlich marode, wie das ganze politische und wirtschaftliche System. Das Besondere an den Bauten des »Block G« ist der Bestand der originalen Fliesen aus der Erbauungszeit. Während an den übrigen »Arbeiterpalästen« die ursprünglichen Fliesen bei der Sanierung durch industriell gefertigte ersetzt wurden, geht man beim »Block G« behutsamer vor. Hier werden nur vereinzelte Fehl- und Schadbereiche ausgetauscht. So lassen sich nur an diesem Bereich der Allee noch die »Paläste« in ihrer zum Großteil noch originalen Bausubstanz bewundern.

Stadtführung Berliner Mauer