Hitlers Büros in Berlin: »Führerpalast« und »Führerbunker«

Welthauptstadt Germania (Modell Planungsstand 1940) von Albert Speer mit im UZS: Große Halle, Großdeutscher Reichstag, Reichstag, OKW, Neue Reichskanzlei, Führerpalast & Großer Platz“ style=

Welthauptstadt Germania (Modell Planungsstand 1940) von Albert Speer mit im UZS: Große Halle, Großdeutscher Reichstag, Reichstagsgebäude, OKW, Neue Reichskanzlei, Führerpalast & Großer Platz [1]

Die Büros oder Arbeitszimmer Adolf Hitlers in Berlin spiegeln sinnbildlich Aufstieg und Fall des Politikers Hitler wider. Sie stehen für Hybris und Anspruch auf absolute Herrschaft im Inneren, wie dem außenpolitischen Ziel der Weltherrschaft. Hier werden die Arbeitszimmer Hitlers im geplanten »Führerpalast« und im »Führerbunker« vorgestellt.

Architektonischer Ausdruck des Anspruch auf die Weltherrschaft

Die Ausmaße des geplanten »Führerpalastes« sprengten alle Dimensionen. Mit den dazugehörigen Gärten war das Gelände zwei Millionen Quadratmeter groß. [2] Neros legendärer Palast »Domus Aurea« in Rom hatte daneben nur bescheidene achthunderttausend Quadratmeter zu bieten.

Führerpalast (Modell Planungsstand 1940) von Albert Speer, Fassadenansicht vom Großen Platz

Führerpalast (Modell Planungsstand 1940) von Albert Speer, Fassadenansicht vom Großen Platz [3]

In sein architektonisches Konzept übernahm Speer Anleihen an konzeptionelle Ideen des barocken Schlossbaus, wie es bereits bei der Neuen Reichskanzlei geschehen war (Hitlers Büros in Berlin: Reichskanzlei und Neue Reichskanzlei). [4] Im nördlichen Flügel brachte Speer ein Theater unter, das 400 Besuchern in bequemen Sesseln Platz geboten hätte [5], in Anlehung an die Theaterflügel barocker Schlösser. Aber vor allem die Idee der »Enfilade«, dem durch repräsentative, kostbar ausgestattete Räume führenden Weg (Raumflucht) zum absoluten Herrscher, erfuhr hier im Bezug zur Neuen Reichskanzlei nochmals eine Steigerung. Für den südlichen Flügel des Palastes erdachte Speer eine 504 Meter lange Raumflucht vom Eingang in die Reichskanzlei bis zu Hitlers Arbeitszimmer (gelber Strich in der Abbildung unten). [6] Darunter eine 220 Meter lange Galerie [7], die den »Spiegelsaal von Versailles« (Galerie des Schloss Versailles) genau um die dreifache Länge übertraf. Die Längenabmessungen der Hauptgalerien in der Neuen Reichskanzlei und im »Führerpalast« können kein Zufall sein. Der »Spiegelsaal von Versailles« ist 73 Meter lang, die »Marmorgalerie« der Neuen Reichskanzlei übertrifft diese mit 146 Meter um das doppelte und die Galerie im Südflügel des »Führerpalastes« 220 Meter um das dreifache. Speer bezieht sich in seinen »Erinnerungen« auch ausdrücklich auf Versailles indem er betont: »Die gesamte Länge der Gartenfront [des Führerpalastes] betrug also 670 Meter und übertraf demnach die von Versailles um fast 100 Meter«. [8]

Die geplante Enfilade im Führerpalast wird von Speer genau beschrieben: »Man durchschritt einen Empfangsraum von 34 x 36 Meter, einen tonnengewölbte Halle von 180 x 67 Meter, einen quadratischen Saal von 28 x 28 Meter, die Galerie von 220 Meter, einen Vorsaal 28 x 28 Meter.« [9] Es ging Speer und Hitler mit dieser Architektur, die bewußt alle bedeutenden historischen Bauten der Welt an Größe übertreffen wollte [10], um die Darstellung von Macht und Herrlichkeit von Führer und Reich, um den architektonischen Ausdruck des Anspruch auf die Weltherrschaft. [11] Dieser manifestierte sich im Zusammenspiel der weiteren um den »Führerpalast« gruppierten Gebäude und die auf diese zulaufende »Nord-Süd-Achse«. So monologisierte Hitler in der Nacht vom 21. zum 22. Oktober 1941:

»Wer die Reichskanzlei [Beginn der Enfilade zu Hitlers Arbeitssaal] betritt, muss das Gefühl haben, vor den Herrn der Welt zu treten, und schon der Weg dahin durch den Triumphbogen auf den breiten Straßen an der Soldatenhalle vorbei zum Platz des Volkes [»Großer Platz«] soll ihm den Atem nehmen. [...] Berlin wird einmal sein die Hauptstadt der Welt.« [12]

Grundriss der Welthauptstadt Germania von Albert Speer (Planungsstand 1940) mit Führerpalast, Großer Platz & Große Halle

Welthauptstadt Germania von Albert Speer (Planungsstand 1940): (1) Führerpalast, (2) Große Halle, (3) Großdeutscher Reichstag, (4) Reichstagsgebäude, (5) OKW, (6) Neue Reichskanzlei, (7) Großer Platz - Enfilade blau markiert [13].

»Aber für den Mann, der an der Spitze des ›stärksten Volkes‹ , so der Historiker Heinrich August Winkler, »genügte es nciht, eine Weltmacht unter anderen zu führen; das Reich mußte zum stärksten Weltreich werden, was auf Weltherrrschaft hinauslief.« [14]

Hitlers »Arbeitssaal« als »Thronsaal«

Atemberaubend und geradezu gigantomanisch waren auch die geplanten Ausmaße von Hitlers ›Büro‹ im »Führerpalast«. Architektonisch ähnlich konzipiert, wie das in der »Neuen Reichskanzlei«, mit einem Säulenportikus vor einer großen Terrasse in den Garten des Gebäudes weisend, wurden auch hier die Dimensionen erneut gesteigert. 900 Quadratmeter Grundfläche sollte der »Arbeitssaal« im »Führerpalast« aufweisen. [15] Hitlers »Arbeitssaal« war nicht zum Arbeiten gedacht, sondern diente dem absoluten Herrscher mit uneingeschränkten Machtbefugnissen zur Repräsentation und Darstellung seiner Machtfülle. Er war wie sein Vorgänger in der Neuen Reichskanzlei in seiner Bedeutung durch seine Größe, seine zu erwartende Ausstattung, seine Lage innerhalb des Gebäudes und aufgrund der hinführenden Enfilade eindeutig als ein »Thronsaal« definiert. [16]

Das Arbeitszimmer im »Führerbunker« als Versinnbildlichung des absoluten Scheiterns

Die Arbeiten an der »Welthauptstadt Germania« wurden mit Kriegsbeginn 1939 unterbrochen. Die Planungen gingen weiter und boten dem zuletzt durch die militärischen Misserfolge psychisch und physisch gebrochenen Hitler die Möglichkeit, sich vor der Realität in nicht mehr umsetzbare Phantasieprojekte zu flüchten. Die Realität hatte sich auch Hitlers Arbeitszimmer betrefend in größtmöglichsten Kontrast zu den geplanten prachtvollen Raum- und Ausstattungsinszenierungen des »Führerpalastes« verändert. Ende Februar 1945, nachdem die Bombenangriffe der Alliierten immer öfter auch das Regierungsviertel trafen, verlegte Hitler sein Quartier endgültig in den »Führerbunker«. Sein Arbeitszimmer im Bunker war hier nur 10qm groß, die Decken 3,05 Meter hoch. Da der Bunker im Berliner Grundwasser lag, war es immer feucht. Helle Steingutfliesen ›schmückten‹ den Boden, die Wände waren grob verputzt. Einige aus der »Neuen Reichskanzlei« heruntergebrachte Gemälde gaben dem Ganzen einen eher surreallen Glanz. Darunter auch das Gemälde von Friedrich dem Großen von Anton Graff, das über Hitlers kleinem Schreibtisch hing. Christa Schröder, Sekretärin Hitlers im Bunker, berichtete nach dem Krieg: »Mit seinen großen traurigen Augen blickte der Alte Fritz mahnend herab. Die bedrückende Enge des Raumes und die ganze Stimmung wirkten sehr deprimierend. Wenn jemand durch das Zimmer gehen wollte, mussten die Sessel weggerückt werden.« Das absolute Scheitern des Politikers Hitlers und des Nationalsozialismus als politischer Ideologie versinnbildlicht sich in dem unermesslichen Kontrast zwischen der geplanten gigantischen Prachtenfaltung des »Führerpalastes« und der kümmerlichen Realität des »Führerbunkers«. Am 30. April beging Hitler in seinem neben den Arbeitszimmer gelegenen Wohnzimmer im »Führerbunker« zusammen mit Eva Braun Selbstmord. [17]

Anmerkungen

[1] Albert Speer, Architecture 1932-1942, Brüssel 1965, S. 70.
[2] Alber Speer, Erinnerungen, Frankfurt/M. 1969, S. 171.
[3] Speer, Architecture, S. 84-85.
[4] zur Übernahme barocker Schlossbauelemente in der Neuen Reichskanzlei: Angela Schöneberger, Die Neue Reichskanzlei von Albert Speer. Zum Zusammenhang von nationalsozialistischer Ideologie und Architektur, Berlin 1981, S. 110.
[5] Speer, Erinnerungen, S. 537.
[6] Ebd.
[7] Ebd.
[8] Ebd.
[9] Ebd.
[10] Joachim Petsch, Kunst im Dritten Reich. Architektur - Plastik - Malerei - Alltagsästhetik, Köln 1994, S. 23.
[11] Alexander Kropp, Die politische Bedeutung der NS-Repräsentationsarchitektur. Die Neugestaltungspläne Albert Speers für den Umbau Berlins zur »Welthauptstadt Germania« 1936 - 1942/43, Neuried 2005, S. 133; Jochen Thies, Architekt der Weltherrschaft. Die »Endziele« Hitlers, Düsseldorf 1980, S. 189.
[12] Heinrich Heim / Werner Jochmann, Monologe im Führerhauptquartier 1941-1944, Berlin 2000, Eintrag vom 21./22.10.1941.
[13] Albert Speer, Architektur 1932-1942, Frankfurt 1978, S. 66.
[14] Heinrich August Winkler, Der lange Weg nach Westen. Band 1. Deutsche Geschichte vom Ende des Alten Reiches bis zum Untergang der Weimarer Republik, München 2001, S. 64.
[15] nach dem Grundriss aus: Speer, Architektur, S. 66.
[16] Als Thronsaal definiert Schöneberger das Arbeitszimmer Hitlers in der Neuen Reichskanzlei und das trifft sicherlich auf den Arbeitssaal im »Führerpalast« umso mehr zu: Schöneberger, S. 110.
[17] Vgl. hierzu auf dem Clio Berlin Blog: Der »Führerbunker« - Daten & Fakten.

Stadtführung Berlin im Nationalsozialismus und Drittes Reich