Der Mauerpark zur DDR-Zeit

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Graffitisprayer am Mauerpark, Aquarell von Sven Swora (26.04.2014) / © Sven Swora

Der Mauerpark im Prenzlauerberg ist heute ein beliebter Anziehungspunkt für Touristen und Berliner. Vor allem an Wochenenden wird der Park zum Szenetreff für Jung und Alt mit Flohmarkt, Grillen, Graffiti und Karaoke. Hier herrscht dann das pralle Leben. Lange Zeit war hier allerdings der Tod ein steter potentieller Gast, als dieses Gelände noch Teil des »Todesstreifen« der Berliner Mauer war.

Heute zeugen von diesem Kapitel deutsch-deutscher und Berliner Geschichte noch die regelmäßigen Ausbesserungen und abgeschnittenen Eisenpfosten im Bodenbelag des den Mauerpark querenden Kopfsteinpflasterweges. Hier befanden sich die Grenzpfostenlöcher an denen die Vorderlandmauer verankert war. [1] Der Mauerpark wird westlich von einer künstlichen Anhöhe begrenzt, die für die Ost-Berliner in der Zeit des Mauerbaus eine große Bedeutung bekam. Hier bestand Anfang der 60er Jahre noch eine Möglichkeit, über die Mauer zu schauen. Dort konnte man ungehindert Verwandten oder Freunden zuwinken, die sich auf der westlichen Seite zu diesem Zwecke eingefunden hatten. [2]

Wenig später wurde hier dann die Hinterlandmauer errichtet, die auch heute noch den Scheitel des Hanges krönt und als Sprühfläche von Graffiti-Sprayern gern genutzt wird. Dieses erhaltene Stück der Hinterlandmauer war hier nicht nur besonders hoch, glatt und massiv, sondern stand auch im größeren Abstand zur Vorderlandmauer als üblich. Der Grund dafür waren die Menschenmassen, die regelmäßig zu den Spielen des DDR-Fußball-Oberligisten BFC Dynamo im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark strömten. Die Grenzschützer befürchteten eine Gruppenflucht von als Fußballfans getarnten Fluchtwilligen, gegen die sie letztlich machtlos gewesen wären. [3] Die »normalen« Grenzbefestigungsanlagen mit Hinterlandmauer, Signalzaun und Vorderlandmauer waren für eine sportliche Person mit Hilfsmitteln oder für Gruppen, in denen sich gegenseitig geholfen wurde, durchaus überwindbar. Es bedurfte daher als entscheidenden Bestandteil des Grenzregimes eines engen Netzes von Grenzposten, die im »Ernstfall« auch von der Schusswaffe Gebrauch machten. Diese Posten hätten aber im Falle eines unerwarteten »Grenzdurchbruch« einer größeren Gruppe vor erheblichen Problemen gestanden. Zum Einen hätte wohl auch der hartgesottenste Grenzer nicht unbedingt in eine große Menschengruppe geschossen. Zum anderen hätte ein solches Ereignis sowohl im Erfolgsfall, als auch bei einem tragischen Ausgang mit vielen Toten im Ausland hohe Wellen geschlagen. Daran konnte der DDR kaum gelegen sein. So sollte dieses Szenario durch die spezielle Hinterlandmauer und besondere Aufmerksamkeit im und ums Stadion bei Spielen des BFC Dynamo präventiv ausgeschlossen werden.

Der BFC Dynamo galt im Übrigen zur DDR-Zeit aufgrund der offenen Unterstützung seines Ehrenvorsitzenden, des Stasi-Chefs Erich Mielke, als »Stasi-Club«. Mit zehn Meistertiteln in Folge von 1979 bis 1988 war der BFC gewissermaßen der FC Bayern der DDR-Oberliga. Als Sinnbild für die nach Meinung vieler Fußballfans praktizierte Bevorzugung der Mannschaft auch durch fragwürdige Schiedsrichterentscheidungen galt lange der »Schand-Elfmeter von Leipzig«. Bei dem für die Meisterschaft entscheidenden Begegnung zwischen 1. FC Lok Leipzig gegen den BFC Dynamo am 22. März 1986 pfiff der Schiedsrichter Bernd Stumpf in der fünften Minute der Nachspielzeit einen Elfmeter für den BFC, der diesem den wichtigen Ausgleich ermöglichte. Aufgrund der breiten Proteste gegen diesen Elfmeterpfiff wurde Bernd Stumpf danach lebenslang gesperrt. [4] Erst im Jahr 2000 tauchte ein Video auf, welches aus einer anderen Perspektive die Korrektheit des damaligen Strafstoßpfiffes und die unberechtigte Sanktion Stumpfs belegen konnte. [5]

Wir bedanken uns bei Sven Swora für die Zurverfügungstellung des Aquarells »Graffiti-Sprayer am Mauerpark«. Weitere Aquarelle: http://svensworaaquarelle.de/

Anmerkungen

[1] Alexander Schug/Helmar Sack, Die Berliner Mauer. Geschichtstouren für Entdecker, Berlin 2009, S. 110.
[2] Christian Bahr, Mauerstadt Berlin. Brennpunkt Bernauer Straße, Berlin 2009, S. 27.
[3] Schug/Sack, S. 111.
[4] Hanns Leske, Foul von höchster Stelle. Vor 20 Jahren erschütterte ein Skandal den DDR-Fußball: Der Schand-Elfmeter von Leipzig half dem BFC, in: Der Tagesspiegel vom 22.03.2006 (abgerufen am 01.02.2015).
[5] Mdr, Fußballpanorama aus dem Jahr 2000 (abgerufen am 01.02.2015).

Stadtführung Berliner Mauer